Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es von Armenistis nach Nas. Die Strecke ist ca. 4,5 KM lang und führt über eine mittlerweile fast vollständig asphaltierte Strasse. Für Autos und Mopeds o.k., für Fußgänger superlangweilig. Ich werde die alte Schotterpiste sehr vermissen. Allerdings gibt es für Fußgänger die Alternative des Höhenweges. In Nas angekommen bietet es sich an, einen Frappe in einer der Tavernen oberhalb der Bucht zu schlürfen. Detailinfos über Nas entnehmt bitte der Nasseite. Von Nas aus geht es weiter über eine Schotterpiste in Richtung des Klosters Evangelistrias. Leider ist ein Großteile der Strecke hinter Nas nicht mehr so schön, da die Piste hier neu gebaut wird. Dies hat zur Folge, dass am rechten Pistenrand (von Nas kommend gesehen) ein Schotterwall aufgeworfen ist, der einem den Blick auf die Küste versperrt. Ich hoffe sehr, dass dieser Wall bald wieder verschwindet.

Wenn ihr unterwegs gut aufpasst, könnt ihr auf der Strecke eines der typischen ikariotischen Häuser sehen. Es liegt auf der linken Seite der Piste hinter einer Kurve und beherbergt zur Zeit einen Ziegenstall. Ihr könnt also ruhig hingehen ohne jemanden zu belästigen.

Das Kloster Evangelistrias beherbergt keine Mönche mehr. Es ist aber nicht verfallen, da es von einem Pastorenehepaar aus einem Nachbarort gepflegt wird. Fast alle Räume sind offen, sodass man hineingehen, sich umschauen und wundern kann, wie die Mönche hier gelebt haben. Am interessantesten ist wohl die kleine Kapelle. Hier hängen überall kleine Silberbleche herum, auf denen Extremitäten abgebildet sind. Das sind Opfergaben für einen Heiligen, dessen Name ich leider vergessen habe. Auf jeden Fall ist dieser Heilige dafür zuständig, dass Verletzungen an den Extremitäten wieder heilen. Geht man links um die Kapelle herum und die paar Stufen zu dem dahinter liegenden Feld hoch, sieht man Weinberge, die mit kleinen Mäuerchen abgegrenzt sind. Wenn man es nicht besser weiß, dann hält man diese Mäuerchen auch für nichts anderes als Terrassenbefestigungen. Schaut man jedoch genauer hin, so kann man Lichtöffnungen darin entdecken. Das sind kleine Fenster, denn im Mittelalter sind die Weinberge unterhölt gewesen und haben als Schutz vor Überfällen von Piraten und Türken gedient. Sobald ein überfall gemeldet wurde, haben sich die Bewohner in diese unterirdischen Behausungen zurückgezogen, und waren somit nicht mehr zu entdecken.

Geht man an der Kapelle nach rechts, so kommt man auf einen kleinen Platz unter einem Maulbeerbaum. Ein alter Mühlstein dient als Tisch. Hier in dieser Stille lässt es sich wunderbar Rast machen. Man kann seinen Blick über die darunter liegende Bucht schweifen lassen, im Schatten dösen, was essen und trinken oder einfach nur seine Gedanken treiben lassen. Es gibt noch mehr Fotos vom Kloster und seiner Umgebung in der Fotoserie Das Kloster Evangelistrias (19 Fotos) zu sehen.

Ein paar Kilometer hinter dem Kloster Evangelistrias kommt man durch das Örtchen Amalou. Wenn man sehr viel Glück hat, dann bekommt man in der einzigen Taverne des Ortes etwas zu Essen. Fragt einfach nach. Nach Amalou fährt man durch Kalamos, lediglich eine Ansammlung von ein paar Häusern, und kommt in ein Gebiet von äußerst bizarrer Art. Hier besteht die Landschaft fast nur aus Steinen, die äußerlich rund wirken, aber im Innern total zerklüftet sind. Das liegt daran, dass sich das Gestein aus Kalksandstein und Granit zusammensetzt, und nach einer Legende war Ikaria mal völlig im Meer versunken und das Wasser hat die Kalksandsteinanteile ausgewaschen und nur die Granitanteile sind verblieben. Daher die Wabenstruktur. Die Legende wird gerne mit der Tatsache belegt, dass man selbst in den Bergen noch Krebs- und Fischskelette findet. So unattraktiv diese Landschaft auf den ersten Blick auch wirkt, so hat sie doch einen ganz besonderen Reiz. Wenn ihr auf der rechten Wegseite an eine Müllkippe kommt, dann könnt ihr den unten abgebildeten Felsen in Mützenform sehen. Das Gelände ist eingezäunt, aber ihr könnt durch ein Gatter hinein (Bitte hinter euch wieder schließen, wegen der Ziegen). Legt euch mal auf einen der großen Felsen und seid ganz still. Dann könnt ihr mich vielleicht verstehen, denn hier pfeift fast immer ein kräftiger Wind, der in den Aushöhlungen der Steine gefangen wird und dadurch heult, was das Zeug hält. Wenn ihr euerer Phantasie nun freien Lauf lasst, dann können hier Drehbücher für beste Horrofilme entstehen.

Nach der 'Steinwüste' von Kalamos gehts weiter zu dem Fischerort Karkinagri. Viel kann ich hierzu nicht erzählen, außer das es sich wirklich um einen echten Fischerort handelt. Es gibt ein paar Tavernen, wo natürlich den frischesten Fisch essen kann und eine Art Kiosk. Die Menschen sind freundlich, aber Fremden gegenüber distanziert.

Von Karkinagri aus müsst ihr die Strecke, die ihr gekommen seid, wieder bis Kalamos zurückfahren. Hier geht dann rechts der Weg ab, der in die Berge und die Hochebene von Langada führt. Auf dieser Strecke wird den Fahrzeugen einiges abverlangt, denn die Schotterpiste war bei meinem letzten Besuch in sehr schlechtem Zustand. Die Piste windet sich in Serpentinen steil den Berg hoch. Wer mit einem kleinen Moped oder Roller unterwegs ist, kann hier schon ein paar Schwierigkeiten bekommen. Hat man den Aufstieg endlich geschafft, bietet sich einem ein grandioser Blick gen Westen.

Seid ihr oben angekommen, geht das Gelände so langsam in die Hochebene von Langada über. Es handelt sich um ein sehr fruchtbares Hochtal, wo sehr viel Oliven angebaut werden. Mitten hindurch zieht sich das Flüsschen Chalaris, das die benötigte Feuchtigkeit liefert. Je nach Wasserstand verwandeln sich die Wiesen links und rechts des Flusses in wahre Feuchtbiotope. Ein Eldorado für Pflanzen- und Tierliebhaber. Frösche, Echsen, Schlangen, Spinnen, Vögel und so manch seltene Pflanze lässt sich hier entdecken.

Am Ende der Hochebene kommt ihr an den neuen, großen Stausee. Er liegt auf der linken Wegseite und lädt zu einer Rast am Seeufer ein. Große Felsplatten am Ufer bieten hierfür den Tisch. Hinter dem großen Stausee müsst ihr euch entscheiden, wie ihr weiterfahren wollt. Ihr könnt links nach Christos Raches (siehe auch die Christos Raches-Seite) abbiegen und von dort nach Armenistis zurückfahren, oder ihr nehmt den längeren Weg über den alten Stausee, das Kloster Evagelistrias und das Kloster Theoktisti.

Der alte Stausee ist ein absolutes Naturparadies, das Entdeckerherzen höher schlagen lässt. Flora und Fauna präsentieren sich hier in unglaublicher Fülle. Es lohnt sich hier zu verweilen, herumzustöbern und die Eindrücke einwirken zu lassen. Geht mal über die Staumauer und genießt den Blick in die Schlucht, die sich dahinter eröffnet. Wenn ihr auf den Felsen links von der Staumauer klettert, eröffnet sich euch ein grandioser Blick über das ganze Tal.

Wenn ihr alle Fotos vom alten Stausee sehen wollt, dann schaut euch die Fotoshow Am alten Stausee (9 Fotos) an.

Das nächste Highlight auf der Tour ist das Kloster Evagelistrias. Fahrt hinter dem alten Stausee weiter in Richtung Maratho und ihr findet das Kloster auf der linken Wegseite etwas tiefer gelegen. Auch dieses Kloster ist nicht mehr von Mönchen bewohnt, wird aber von in Schuss gehalten. Fragt in der Küche einfach nach dem Schlüssel zur Kirche. Wenn jemand Zeit hat, geht er/sie auch mit und kann euch viel über das Kloster erzählen. Wenn ihr noch mehr Fotos sehen wollt, dann schaut euch die Fotoserie Das Kloster Evagelistrias (auch Moni Mounte genannt) (11 Fotos) an.

Nach dem Kloster Evagelistrias fahrt ihr den Weg weiter bis nach Maratho und biegt dann auf den Weg nach Pigi oder Avlaki ab, und folgt den Schildern. Ihr kommt dann zu dem Kloster Theoktistis, das für seine einzigartige Kapelle berühmt ist. Das Kloster ist nicht mehr von Mönchen bewohnt, wird aber gepflegt. Es wohnt dort eine Frau, die euch den Schlüssel zur Kirche geben kann oder selbst mit hineingeht und euch ein bisschen was erzählt. Im Innern der Kirche findet ihr die Wände und die Decke mit einzigartigen Fresken bemalt, die eine Geschichte erzählen. Auch zu dem Kloster Theoktistis gibt es eine größere Fotoserie. Durch einen Klick auf Das Kloster Theoktistis (11 Fotos) könnt ihr die Fotoserie öffnen.
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