Christos Raches, auch Christos Raxes oder Christos Rachon, geschrieben ist ein wunderschönes und wirklich bezauberndes Dorf, das, ca. 5 km von Armenistis entfernt, 500 Meter hoch in den Bergen liegt. Es ist umgeben von Pinienwald, dessen Düfte ständig durchs Dorf ziehen. Christos Raches hat ungefähr 350 Einwohner, die verstreut um den Ortskern wohnen. Christos Raches ist Regionshauptort. Es gibt Schulen, Sportplätze, Ärzte und viele kleine Shops, die sich um das Ortszentrum gruppieren und in denen man wunderbar stöbern kann. Mittlerweile hat auch ein Geldautomat Einzug gehalten, sodass man nicht mehr von Evdilos abhängig ist. Noch vor einigen Jahren erwachte Raches erst am Abend aus seinem Dornröschenschlaf, und tagsüber war echt nicht viel los. Das hat sich mittlerweile geändert. Auch tagsüber, vor allem zwischen 12.00 und 15.00 Uhr pulsiert das Leben. Die Menschen gehen einkaufen, flanieren einfach nur durch den Ort, oder sitzen in einem der vielen Kafenions. Überall treffen sich Bekannte, die Begrüßungen schallen durch die Gassen, und die Menschen verweilen für einen kurzen oder auch längeren Schnack. Wenn man diese Atmosphäre auf sich wirken lässt, dann spürt man die Energie, die hier fließt, das LEBEN!

Ein Laden/Kafenion hat mir ganz besonders gefallen, der Laden der Landfrauenkooperative Raxes nämlich. 11 Frauen haben sich 2009 zusammengefunden und eine Kooperative gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat Ikariotische Produkte wieder zu entdecken und zu vermarkten. in 2011 wurde das Kafenion eröffnet, das einfach bezaubernd ist.

Von ca. 15:00 bis 21:00 schläft der Ort, und es herrscht "tote Hose". Danach erwacht der Ort allerdings so richtig und verströmt sein Flair. Dann wuselt's an allen Ecken und Enden. Man sitzt zusammen und schnackt, spielt Tavli, geht einkaufen usw. Wenn man Glück hat packt auch jemand sein Instrument aus und es wird gesungen und gespielt. Man kann diese Stimmung nicht mit Worten beschreiben. Fahrt oder geht hin und erlebt es selbst. Eine Wanderung von Armenistis über die alte Straße, die über Agios Dimitrios führt, ist ein Muss für den Besucher des Nordwestens. Die Staße führt durch den dichten Pinienwald, und bietet einem alle paar Meter die atemberaubendsten Ausblicke auf die grandiose Landschaft Ikarias. Tourismus wird in Raches sehr klein geschrieben. Es gibt nur einige wenige Zimmer zu vermieten.

Seit ca. 3 Jahren nimmt in Raxes leider eine Plage zu, die echt nerven kann. Diese Plage nennen die Einheimischen "Sknippers", eine Art Kriebelmücke, die einem echte Probleme bereiten kann, denn es gibt Menschen, die reagieren sehr allergisch auf einen Biss dieser Mücke. Ich habe schon etliche Leute getroffen, die nach einem Biss heftige Schmerzen bekommen haben, deren Gelenke Handballgroß angeschollen sind, und die tagelang kaum laufen und sich bewegen konnten. Diese "Sknippers" sind hauptsächlich tagaktiv, und stellen ihre nervende Aktivität Abends ein. Ebenso verschwinden sie bei starken Wind. Sie befallen zumeist die Region bis zum Knie, beißen aber auch in Bereiche, die darüben liegen. Zum Glück gibt es aber ein Gegenmittel, denn die herkömmlichen Schutzmittel gegen Insekten wirken. Also, bei einem Besuch in Raxes immer schön einsprühen oder -schmieren.
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